JA zur U-Bahn, aber NEIN zur Planung der MVG für den neuen Betriebshof Süd!

Die Stadt München braucht eine leistungsfähige U-Bahn. Und deshalb einen zweiten U-Bahn Betriebshof. Dieser soll zwischen Arnold-Sommerfeld-Straße, Lise-Meitner-Weg und dem Grünzug im Gefilde gebaut werden. Zusätzlich soll ein 900 m langes Bremstestgleis vom Bahnhof Neuperlach Süd bis an die Münchner Stadtgrenze vor den Umweltgarten Neubiberg reichen.

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Aufnahme vom 19. November 2021 während unseres Besuchs auf dem Betriebshof-Gelände der MVG in München-Fröttmaning

Hör Dir das mal an:

Bremstest mit einem U-Bahn C-Wagen bei 60 km/h

Bis zu 120 Bremstests pro Nacht zwischen 22:00 und 6:00 Uhr.

Kreischende Rangiergeräusche, vor allem beim Einrücken zu Betriebsschluss gegen 2:00 Uhr und beim Ausrücken zu Betriebsbeginn ab 4:00 Uhr.

24/7 Anlagenbetrieb täglich Montag bis Sonntag rund um die Uhr, ohne Ruhezeiten, auch an Sonn-und Feiertagen. Mitten zwischen Wohngebieten, nur 80 m neben Wohnhäusern.

Unser Protest zeigt erste Erfolge: Die MVG lässt derzeit die Lärmschutzgutachten nachbessern. Erstmals wird auch geprüft, ob entlang des Bremsgleises eine Lärmschutzwand errichtet werden sollte.

Der Stand der Dinge und was bei uns gerade los ist:

Warum die Planung der MVG so nicht akzeptabel ist:

Blick vom geplanten Bremstestgleis auf die nur 80 m entfernten Wohnhäuser in Waldperlach und Neubiberg, die zwischen Betriebshof und Bremstestgleis liegen

Am 12. Mai 2021 hat die Münchner Verkehrsgesellschaft mbH (MVG) erstmals eine neue Planung für den Betriebshof Süd öffentlich vorgestellt und damit die AnwohnerInnen, die Nachbargemeinde Neubiberg und die Öffentlichkeit völlig überfahren:

Statt der 2017 angekündigten umgebungsverträglichen Einrichtung wird tatsächlich eine Mega-Anlage mit industriellem Charakter inmitten von Wohn- und Erholungsgebieten geplant. Aus Kostengründen wurden Lärm-, Umwelt- und Anwohnerschutz aufs allernotwendigste Minimum reduziert. Die Planung nimmt eine dauerhafte, schädliche Lärm-, Licht- und Umweltbelastung für Mensch und Natur billigend in Kauf.

Nur 80-100 m sind die Wohngebiete vom geplanten Betriebshof entfernt. Das Baufeld ist an drei Seiten, westlich, südlich und östlich von reiner Wohnbebauung in Neuperlach, Waldperlach und Neubiberg umgeben.

Blick vom geplanten Bremstestgleis auf die neuen Wohnhäuser an der Carl-Wery-Straße

Werkstatthallen, eine große Abstellanlage mit 15 Abstellgleisen, ein großer Gleisbereich mit Weichen, Lager mit Lieferverkehr, Waschhalle, Anlagen zur Stromversorgung und noch mehr Gebäude werden zwischen Neuperlach Süd, Waldperlach und Neubiberg auf ein heute noch bewirtschaftetes Feld gebaut. Teils umgeben von 8 m hohen Lärmschutzwänden, die Gebäude bis zu 12 m hoch.

Ausgewiesen als „Sondernutzungsfläche“ wird diese mehr als 500 m lange und 160 m breite Industrieanlage nur wenige Meter neben der Park- und Kleingartenanlage „Im Gefilde“ gebaut, dort wo sich Anwohner im Grünen erholen und Kinder spielen. Waldperlachs Wohnhäuser sind nur 100 m entfernt, manche sogar nur 20 m.

U-Bahnen müssen nachts in den Betriebshof einrücken, wenn sie nicht mehr für den Tagbetrieb im U-Bahn-Netz gebraucht werden. Dann fahren sie in den Betriebshof und werden gereinigt, gewartet. In der Werkstatthalle werden sie repariert, Teile wie abgenutzte Bremsen werden ausgetauscht. Auf der Abstellanlage warten sie auf den nächsten Einsatz.

Der Betriebshof ist rund um die Uhr aktiv, nachts zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens finden die meisten Arbeiten statt. Ein Antrag im Stadtrat für eine Beschränkung auf Wochentags- und Tagbetrieb lehnt die MVG als „nicht machbar“ ab.

Zugbetrieb ist laut. Das weiß auch die MVG. Darum ist eine 8 m hohe Lärmschutzwand zwischen den Abstellgleisen und der nächsten Wohnbebauung im Süden und Westen geplant. Diese werden den Schall reduzieren, so dass gesetzliche Mindestanforderungen gerade noch so erfüllt werden – laut Berechnung.

Lärm breitet sich aber auch nach oben aus und wird über die Schallschutzwände gestreut. Er bleibt auch in großer Entfernung hörbar, wie man von Autobahnen weiß. Die Arbeiten in den Werkshallen mögen nach außen nur wenig hörbar sein, die Bewegungen der U-Bahnen auf dem nach oben offenen Gleisbereich, das Rangieren über Weichen und Gleiskurven und das Beschleunigen und Abbremsen jedoch ist zweifellos laut.

Eine komplette Einhausung der Anlage mit Dach – also ein für die Anwohner optimierter Schallschutz – ist der MVG viel zu teuer, wie sie zugibt. Man spart Kosten und opfert die Lebensqualität der Menschen die dort wohnen, egal ob im großen Mietblock oder in Einfamilienhäusern.

Nach Arbeiten am Fahrgestell muss bei U-Bahnen die Bremsanlage getestet werden, bevor sie damit ins Netz zurück dürfen. Gebremst wird elektrisch, aber auch mechanisch. Dafür plant die MVG ein 900m langes Gleis entlang der S7, beginnend am Bahnhof Neuperlach-Süd, bis zur Gemeindegrenze Neubiberg (in etwa Höhe des Hühnerstalles vom Umweltgarten).

Nachts soll laut MVG-Antrag alle vier Minuten ein Bremstest gefahren werden können. Für die Bürger bedeutet das: U-Bahn-Motorenlärm (Vollbeschleunigung) gefolgt vom Vollbremsgeräusch, das sich so anhört und ein permanentes Hintergrundgeräusch, das zu keiner Tages- oder Nachtzeit verstummt. Die erste Planung der MVG sah keinerlei Schallschutzmaßnahme vor. Nach unserem Protest prüft die MVG derzeit, ob eine 3,5 m hohe Schallschutzwand errichtet werden sollten.

Veröffentlichungen der MVG und der Stadt zwischen 2015 und 2019 zeigten den Plan eines kleinen Betriebshofes in Neuperlach Süd, als Ergänzung zum existierenden Betriebshof Fröttmaning. Die Planungen wuchsen im Stillen weiter. Nachdem die Stadt sich 2019 zum Klimaschutz verpflichtet hat, wurden die Dimensionen des Betriebshofes massiv vergrössert – nur wusste die Bevölkerung davon nichts.

Vorgeschriebene Auslegungen des Planungsstandes wurden kaum beworben. 2021 hat die MVG nun der Öffentlichkeit den aktuellen Stand der Pläne mitgeteilt (gesetzlich als „Öffentlichkeitsbeteiligung“ im Planungsverfahren vorgeschrieben). Unmittelbare Anwohner erhielten ein Flugblatt, das für den 12.5.2021 eine Online-Präsentation ankündigte. Von Profis werbewirksam als „Grünes Projekt“ aufbereitet,  zeigte sich bei dieser Präsentation die heutige Dimension der Anlage:

die Größe mehr als verdoppelt, statt überwiegendem Tagbetrieb nun 24/7 Betrieb, statt bis zu 8 Bremsentests am Tage nun alle 4 Minuten rund um die Uhr – vor allem nachts. Ein völliger Umbau der gesamten Gegend. Neue Radwege, begrünte Lärmschutzwände und Dächer beschönigen das nicht mehr. Tausende Bürger aus Waldperlach, Neubiberg und Neuperlach Süd sind darüber nie aufgeklärt oder befragt worden – obwohl das Projekt ihr Stadtviertel komplett verändern wird.

Selbst jene Anwohner, die von den ursprünglichen Plänen wussten – sogar das Rathaus Neubibergs – wurden von den riesigen Dimensionen der Anlage völlig überrascht. Nein – von der MVG überfahren!

Eine interessante Beobachtung aber schon mal vorab: Unsere Fragen und Kommentare, die wir während der Online-Informationsveranstaltung im Streaming gestellt haben, wurden von der MVG entfernt und nur noch belanglose Kommentare belassen.


Und jetzt lesen Sie selbst:
https://www.mvg.de/dam/mvg/ueber/projekte/u-bahn/UBH2/Betriebshof-S-d_Info-VA_Frage-Antwort-Dokumentation-Teil-1.pdf
https://www.mvg.de/dam/mvg/ueber/projekte/u-bahn/UBH2/Betriebshof-S-d_Info-VA_Frage-Antwort-Dokumentation-Teil-2.pdf
https://www.mvg.de/dam/mvg/ueber/projekte/u-bahn/UBH2/Betriebshof-S-d_Info-VA_Frage-Antwort-Dokumentation-Teil-3.pdf

Die MVG geht auf die Sorgen der Anwohner in keinster Weise ein. Es wird nur wiederholt, was in der auf Youtube abrufbaren Aufzeichnung der Online-Veranstaltung vom 12.5.21 bereits gesagt wurde.

Welchen geringen Stellenwert die Anwohner mit ihren berechtigten Sorgen um den Erhalt einer lebenswerten Umgebung für die MVG haben, wird bei der Lektüre der Antworten leider schnell klar.

Die MVG hat bereits 2015 angekündigt, den Standort Neuperlach Süd für den zweiten Münchner U-Bahn-Betriebshof vorzusehen. Die Planung, die die MVG im Jahr 2017 den AnwohnerInnen und der Öffentlichkeit dafür vorgestellt hatte, schien halbwegs verträglich mit den direkt angrenzenden Wohn- und Erholungsgebieten.


Am 12. Mai 2021 stellte die MVG eine gänzlich überarbeitete Planung für den Betriebshof Süd vor, die AnwohnerInnen, die Nachbargemeinde Neubiberg und die Öffentlichkeit entsetzt:

Eine vielfache Kapazität und Auslastung des Werksgeländes, 24-Stunden Werkbetrieb an 7 Tagen der Woche ohne Ruhezeiten, bis zu 120 Bremstests allein in der Nacht statt wie versprochen maximal 8 pro Stunde von Montag bis Freitag und nur zwischen 7 und 17 Uhr. Außerdem keine Spur mehr von der damals dargestellten Einhausung zum Schallschutz.

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